Drusus Stadion

Denkmalschutz im Sportbau.

Name
Drusus Stadion
Nutzung
Sport und Freizeit
Bauherr
Gemeinde Bozen
Volumen
29850 m3
Planungspartner

Arbeitsgemeinschaft:

Dejaco + Partner

GMP Architekten

Ingenieurteam Bergmeister

Status
Einreichprojekt

Der Trend zum reinen Fußballstadion hat sich auch für kleinere, bisher multifunktionale Spielstätten durchgesetzt. Eine Arena ohne Laufbahn zwischen Spielfeld und Tribünen bietet eine dichtere Atmosphäre und mit ihrem differenzierten Platzangebot wirtschaftliche Vorteile für den Betreiber. In Bozen sind es die Standards der italienischen Serie B, die den Anlass für eine entsprechende Neukonzipierung des kommunalen Drusus-Stadion bieten.                                                            

Das Drusus-Stadion liegt im Zentrum Bozens unterhalb der Mündung der Talfer in die Eisack. Es besteht aus den einander gegenüberliegenden Tribünen „Zanvettor“ und „Canazza“, die sich in ihrem Charakter deutlich unterscheiden. Die Besonderheit des anstehenden Umbaus macht die denkmalgeschützte Monumentalfassade der Haupttribüne aus den 1930er Jahren aus, die es zu erhalten und konzeptionell zu integrieren gilt. In der ersten Bauphase wird das Stadion zunächst saniert und die Kapazität von derzeit 3.100 auf ca. 5.400 Sitzplätze erweitert. Dazu werden beide Tribünen verlängert und bis an das Spielfeld herangeführt. Die Ergänzung um eine Nord- und Süd-Tribüne, mit denen ein geschlossenes Geviert für bis zu 10.000 Zuschauer entsteht, wurde planerisch bereits berücksichtigt.

Während die Tribüne „Canazza“ mit ihrer charakteristischen Betonschalenüberdachung erhalten und saniert werden soll, wird der gesamte Unterbau sowie das Dach der Tribüne „Zanvettor“ neu errichtet, um alle räumlichen Anforderungen für den Spielbetrieb der Serie B integrieren zu können. Die Wegeführungen für die verschiedenen Nutzer- und Besuchergruppen werden dabei konsequent getrennt. Durch das baulich freigelegte Portal werden Businessbereich, Fanshop und gastronomischen Einrichtungen separat erschlossen und können auch außerhalb des Spielbetriebes genutzt werden. Der neue Unterbau der Haupttribüne wird in Sichtbeton ausgeführt. Die Stahlfachwerkträger der Tribünenüberdachung erhalten in der Untersicht eine Membranverkleidung, die die stereometrisch einfache Gesamtwirkung unterstreicht, die sich auch im Innenbereich konsequent fortsetzt. Dabei nimmt der Bau in seiner äußeren Gliederung die Gesimshöhen und Proportionen der historischen Fassade auf. Mit dem puristischen Neubau thematisiert die Hauptfassade damit auf spezifische Weise das Thema „Alt und Neu“ als dialogischen Kontrast. Durch die neue schlichte Umrahmung verstärkt sich der Blick auf die Monumentalfassade, die Umrahmung dient als Bühne für die alte Fassade.

Weder ein harmonisierendes Weiterbauen noch das andere Extrem, der didaktische Antagonismus, wurden hier angestrebt, sondern eine deutliche optische Differenzierung bei gleichzeitiger präziser Bezugnahme im Detail.